Run. Travel. Grow.

Kilometer 36

Posted in Röntgenlauf-Marathon by Philipp on 29/10/2009

Röntgenlauf: Wie ich meinen ersten Marathon gelaufen bin

Posted in Röntgenlauf-Marathon by Philipp on 27/10/2009

Es ist Oktober, Herbst geworden. Ich stehe in Remscheid-Hackenberg vor einer Sporthalle. Dieser Tag im Juli, an dem ich beschlossen habe, einen Marathon zu laufen, kommt mir vor, als läge er in einer weit entfernten Vergangenheit, wie das mit vielen Dingen im Leben ist, die noch gar nicht so lange her sind. Das Wetter ist ziemlich gut für so einen Lauf, weder Sonne noch Regen, angenehme Temperaturen, weder kalt noch warm. Besser kann man es eigentlich nicht haben. Meine Startnummer habe ich mit vier Sicherheitsnadeln an meinem Shirt festgemacht, sie steckt in einer Klarsichthülle, wegen des Regens, vielleicht. Hoffentlich nicht. Als ich am Morgen wach wurde, hatte ich ganz gut geschlafen, glaubte ich. Die Nacht davor aber so gut wie gar nicht. Dafür hatte ich viel gegessen, weil man das so machen soll, vor einem Marathon. Bis zum Vorabend habe ich über all die Dinge nachgedacht, von denen ich oft gelesen hatte, wie wichtig sie sind: die wöchentliche Kilometerzahl, lange Trainingsläufe, Tempotraining. Und ich dachte daran, wie wenig ich diese Dinge beherzigt hatte. Wie ich diesen typischen Anfängerfehler gemacht hatte: zu schnell zu viel trainieren. Wie ich gedacht hatte, über den Dingen zu stehen und wie ich genau diesen Fehler gemacht hatte.

Jetzt stehe ich vor der Toilette der Sporthalle, es ist 8 Uhr, und in einer halben Stunde soll es losgehen. Ich binde den elektronischen Chip, der in Start und Ziel automatisch meine Zeit misst, in die Schnürbänder meines Schuhs. Noch ein wenig trinken, dann langsam Richtung Start. Noch einmal pinkeln, dieses Mal im Busch, das machen die meisten anderen Läufer auch so. Ich stehe dann also in diesem Pulk von Menschen, der sich vor der Startlinie sammelt. Ich bin ziemlich ruhig. Alles ist ganz klar und eindeutig. Ein guter Freund meinte einmal zu mir: Wenn du morgen etwas erreichen willst, muss es schon heute Realität in deinem Kopf sein. Wenn du etwas wirklich schaffen willst, muss der Endzustand, in diesem Fall das Überqueren der Ziellinie, schon so im Bewusstsein verinnerlicht sein, dass es gar nicht mehr anders passieren kann. Es ist wie beim Bergsteigen. An dem Tag, an dem du hochgehst, ab dem Moment, an dem du losläufst, gibt es nur einen möglichen Weg. Es gibt keine Alternative. Ich bin also ganz ruhig. Und dann laufe ich über die Startlinie. Der Chip an meinem Schuh fängt an, die Zeit zu zählen, aber das merke ich natürlich nicht.

Röntgenlauf, Remscheid, Marathon, Ultramarathon

Kilometer 0 bis 10

Ich begreife gar nicht richtig, dass ich gerade laufe, eben bei diesem Marathon, den ich mir schon so lange vorgenommen habe. Aber dann laufe ich einfach. Remscheid sieht an den Ortsgrenzen ungefähr so aus, wie ich mir Nordkorea vorstelle. Aus der teils komplett bewaldeten Landschaft ragen hässliche, graue Wohntürme heraus. Die Strecke führt über die ersten 5 Kilometer durch den Ort. An diesem Sonntag sind schon viele Menschen auf den Beinen und beobachten den Start der Läufer. Schilder, Trompeten, Trillerpfeifen, alles dabei. Ich bin immer dicht umringt von anderen Läufern. Halbmarathon-, Marathon- und Ultraläufer sind zusammen gestartet. Das Ganze hat einen großen Vorteil: Man läuft nicht zu schnell los. Es ist praktisch unmöglich, sich vom Hauptfeld abzusetzen, wenn man am Anfang nicht direkt an der Startlinie steht. Irgendwann führt der Weg aus dem Ort heraus.

Meine größte Sorge ist mein Bein und der Wadenschmerz, der mich während des Trainings immer wieder geplagt hat. Er ist nicht da, er kommt auch nicht wieder. Die Taktik, auf vollständige Entlastung zugunsten der Regeneration zu setzen, ist also nicht verkehrt gewesen. Der erste Getränkestand kommt bei Kilometer 7. Ich habe mir vorgenommen, früh mit dem Trinken anzufangen, also greife ich einen Pappbecher mit Zitronentee, den ich im Gehen leer mache. Man soll während eines Marathon ein bis vier Liter trinken, heißt es. Nach einer Stunde erreiche ich die 10-Kilometer-Marke. Gutes Tempo, denke ich. Ich bin nicht zu schnell gestartet. Ich habe keine Schmerzen. Im Prinzip fühle ich mich so, als wäre ich vorhin erst losgelaufen. Als hätte ich nie etwas anderes getan, als zu laufen.

Kilometer 10 bis 25

Auf den folgenden Kilometern habe ich das erste Mal das Gefühl, dass sich die Strecke etwas zieht. Asphalt und Waldboden wechseln sich jetzt immer häufiger ab. Es geht meist bergauf und bergab, selten eben geradeaus, aber das wusste ich ja. Kurz vor Kilometer 20 kommt das erste richtige Steilstück, es geht vielleicht 50 Meter in Serpentinen den Hang hinauf. Dieses Stück läuft keiner, der Kraftaufwand ist die gewonnene Zeit nicht wert. Also marschiere ich bergauf, überholen kann ich auf dem engen Pfad sowieso niemanden. Am Wegesrand haben einige Menschen eine Prosecco-Bar aufgebaut. So heißt es jedenfalls auf dem Schild. Im Prinzip ist da aber einfach ein Bierzelttisch, auf dem einige Pappbecher mit Sekt stehen. Die Leute selbst trinken Bier aus Flaschen. Es ist jetzt vielleicht 10 Uhr morgens. Ich habe das Gefühl, dass die Leute sich schon lange auf diesen Tag gefreut haben. Prosecco trinkt trotzdem niemand. Es geht dann irgendwann noch einmal durch eine Senke, ein Bachtal hinunter. Für die Halbmarathonläufer – an diesem Tag deutlich in der Überzahl – ist hier schon bald Schluss. Das bedeutet: Endspurt. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen und bleibe bei meinem Tempo.

Nach 21,2 Kilometern wird wieder Zeit genommen: Ich bin ziemlich exakt zwei Stunden unterwegs. Und dann, nach einer weiteren bedeutungslosen Kehre, stehen da plötzlich meine Eltern. Sie wollten versuchen, irgendwie an die Strecke heranzukommen, um mir ein wenig Energy-Gel zu geben. Das erste, was mir auffällt, ist die große Erleichterung im Gesicht meiner Mutter. Ich sehe offensichtlich nicht wirklich erschöpft aus. Die Hälfte ist geschafft, mein Fokus liegt auf der 25-Kilometer-Marke. Man darf bei einem solchen Lauf nicht den Fehler machen, sich die gesamte Strecke ins Gedächtnis zu rufen. Kopf und Körper müssen sich von einer Etappe zur nächsten bewegen. Ich denke also: Bis zum nächsten Getränkestand, und dann sehen wir weiter.

Der Stand kommt nach weiteren 20 Minuten. Ich löse das Kohlenhydratpulver, das ich dabei habe, in Wasser auf. Es enthält viele Elektrolyte – das ist gut, ich habe viele Mineralstoffe beim Laufen ausgeschwitzt. Dazu gibt es eine Viertelbanane und eine Tube Powergel, was optisch und haptisch handelsüblichem Haargel sehr nahe kommt. Schmecken tut es aber süß, obwohl kein Zucker enthalten ist. Nur Kohlenhydrate, Kalium und Natrium. Ich will keinen Zucker zu mir nehmen, das treibt den Blutzuckerspiegel nach oben und führt auf Dauer zu körperlicher Ermüdung und sogenanntem Erschöpfungshunger. Ich fühle mich ganz fit, eigentlich sogar sehr fit, und verschiebe meinen Gedankenhorizont auf die nächsten fünf Kilometer. Und ich denke an das Gedicht, das über meinem Bett hing, als ich noch sehr klein war: Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte von Antoine de Saint-Exupery.

Kilometer 25 bis 34

Die andauernde Energieversorgung zahlt sich aus: Auf den nächsten 9 Kilometern ändert sich die Wahrnehmung meiner Schmerzen nicht. Richtige Ernährung ist ein absoluter Schlüssel zum Erfolg, das wird mir jetzt bewusst. Durch eine Tube Powergel alle halbe Stunde bleibt das Energielevel weitgehend konstant, nur die Muskeln werden natürlich immer »schwerer«, das heißt, sie übersäuern langsam. Ich bewege mich sehr lange auf gleicher Höhe mit einem älteren Mann, der einen grauen Vollbart trägt. Er läuft bei jeder Steigung gleichbleibendes Tempo. Das finde ich ziemlich beachtlich. Offensichtlich hat sich der Mann in seinen vielen Jahre als Läufer ein unglaubliches Maß an Disziplin und Kondition antrainiert. Er läuft nie zu schnell, fast in stoischer Gleichmäßigkeit.

Eine Sache habe ich dann etwas unterschätzt: Ab einer bestimmten Dauerbelastung ist es einfach nicht mehr angenehm, bergab zu laufen. Um Kilometer 30 herum ist die Strecke zwar nicht ganz so bergig wie der Rest, aber jedes Abfedern des Oberschenkels bereitet Schmerzen. Überhaupt: Die Beine fangen einfach an, wehzutun. Bei den Anstiegen versuche ich, meine Arme nicht über das Maß der minimalen natürlichen Bewegungsdynamik hinaus zu bewegen, die Beine eng beieinander zu halten und sehr viele kleine Schritte zu machen. Damit nehme ich einen zähen, besonders langen Hügel, ohne mich vollkommen zu verausgaben. Zum Glück höre ich mich selbst nicht atmen, weil ich die ganze Zeit Musik höre. Mit den Liedern ist es wie mit den Kilometerschildern, ich gehe von einem zum nächsten. Ich konzentriere mich auf den Moment, auf den nächsten Berg, manchmal nur auf die drei Meter, die sich immer wieder vor meinen Füßen auftun. Baby steps, nennt das der Ultraläufer Dean Karnazes.

Ich trinke jetzt auch mehr an den Getränkeständen, Gatorade und Wasser im Wechsel. Plötzlich tauchen meine Cousine, ihr Mann und meine Tante an der Strecke auf. Das gibt neue Kraft. Außerdem bin ich schon weiter, als ich denke, der nächste Getränkestand ist schon bei Kilometer 34. Über diesen Punkt hinaus bin ich noch nie in meinem ganzen Leben gelaufen.

Röntgenlauf, Remscheid, Marathon, Ultramarathon
Röntgenlauf, Kilometer 36.

Kilometer 34 bis 42

Die letzten 6 Kilometer sind die schlimmsten des gesamten Laufs. Ich bin jetzt weit über drei Stunden auf den Beinen. Bergablaufen tut fast noch mehr weh als bergauf. Ich versuche nur noch, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Manchmal grinse ich vor Schmerz. Es ist die große Dialektik des Laufens, dass gleichzeitig das Allereinfachste und das Allerschwerste in einem Moment zusammenfallen. Einen Schritt vor den anderen setzen, das kann sogar ein Kleinkind, es ist eine der trivialsten menschlichen Bewegungen überhaupt. Und hier kostet jeder Schritt auf einmal so wahnsinnig viel Überwindung. Jeder einzelne Schritt. Du machst einen, du machst noch einen, und plötzlich hast du wieder einen Kilometer mehr geschafft. Ich denke, dass auch das ärgste Hindernis im Leben, das größte Problem, schon die einfachste Lösung in sich trägt. Ein Marathon ist für viele ein nahezu unüberwindbares Hindernis, eine beinahe mystische Distanz, aber er ist nur das Produkt aus vielen tausend Schritten, der einfachsten Sache überhaupt. Wie weit kann man prinzipiell also gehen?

All diese Gedanken surren natürlich höchst unscharf durch meinen Kopf, als ich erschöpft auf Kilometer 40 zusteuere. Ich lasse die Möglichkeit, einfach stehen zu bleiben und damit den Schmerz abzustellen, einfach nicht in mein Bewusstsein. Plötzlich ist der Waldboden wieder komplett matschig, das Auftreten und Abstoßen kostet doppelt Kraft. Ich merke selbst, wie sich mein Gesicht verzogen hat. Ich atme auch nicht mehr so gleichmäßig wie am Anfang. Dann kommt die 40er-Marke, ich habe zu diesem Zeitpunkt schon komplett abgeschaltet, treibende Lieder rauschen durch mein Ohr. Ich könnte jederzeit stehen bleiben, es erscheint als das Reizvollste auf der ganzen Welt. Aber ich tue es nicht. Ich laufe eben doch weiter.

Auf den letzten zwei Kilometern lege ich sogar deutlich an Tempo zu. Ich spüre ein Kribbeln, fast schon eine Gänsehaut in mir aufsteigen, ein Gefühl absoluter Energie, das sich auf meinen gesamten Körper überträgt, und ich überhole alle anderen Läufer, die mir auf den letzten Anstiegen begegnen. Ich balle die Fäuste, mein Gesicht sieht düster aus, wie das eines Kriegers. Ich sehe bestimmt sehr lächerlich aus – aber ich fühle mich wie Held. Ich schaue in die Augen der Zuschauer, die an der letzten Kehre stehen und alle Läufer anfeuern, ein ziemlich belebender Augenblick. Dann sehe ich das Ziel.

Der Kommentator ruft meinen Namen auf und gibt meine Endzeit durch: Ich bin 4 Stunden und 22 Minuten durchgelaufen. Das Adrenalin legt sich. Was gerade eben passiert ist, kommt mir mit einem Mal schon wieder vollkommen irreal vor. Die Distanz, die Zeit, alles. Das einzige, was für einen kleinen Moment greifbar wird, ist das Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Es ist geschafft, und ich wusste, dass es so kommen würde. Die krasseste Tatsache bei dieser ganzen Geschichte: Vor dem Marathon bin ich das letzte Mal am 23. September gelaufen.

Am Ziel: Röntgenlauf-Marathon 2009

Posted in Röntgenlauf-Marathon by Philipp on 26/10/2009

Es ist geschafft: Das Projekt 100 days to marathon hat doch noch einen erfolgreichen Abschluss gefunden. Wenn ich es gerade könnte, würde ich ein bisschen vor Vergnügtheit durch die Gegend tanzen. Geht aber nicht. Die Beine können halt nichts mehr. Morgen gibt es die Eindrücke vom Lauf.

Die harten Fakten

Für die 42,195 Kilometer beim 9. Röntgenlauf-Marathon in Remscheid habe ich 4 Stunden, 22 Minuten und 30 Sekunden gebraucht, damit liege ich in der Gesamtwertung auf Platz 122 von rund 280 Läufern, die den Marathon beendet haben. Solides Mittelfeld also. In der Altersklasse zwischen 20 und 30 Jahren gab es ganze 14 Teilnehmer, ich liege auf Platz 7. Die Ergebnis-Listen im Einzelnen könnt ihr euch hier anschauen.

Zielzeit über vier Stunden

Meine ganz ursprünglich angestrebte Zielzeit von unter 4 Stunden konnte ich nicht erreichen, was eher den knapp 800 Höhenmetern Anstieg der oft über Waldwege führenden Strecke denn meiner eklatant lückenhaften Vorbereitung geschuldet ist. Deshalb bin ich schon ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis, zumal mich alle mit wirren Blicken angeschaut hatten, sobald ich erzählte, mir für meinen ersten Marathon den Röntgenlauf ausgesucht zu haben. »Eine sehr selektive Strecke« – dieser Kommentar des Spiridon-Redakteurs Jörg Valentin hatte sich während der gesamten Vorbereitungszeit in meinen Kopf gesetzt. Ebenso wie die Zweifel, die mich noch bis kurz vor dem Lauf heimgesucht haben. Aber dann, am Wettkampftag, wird plötzlich alles sehr klar. Aber dazu morgen mehr.

Röntgenlauf: 42 Kilometer durch das Bergische Land

Posted in Röntgenlauf-Marathon by Philipp on 05/08/2009

Die erste Frage (natürlich nach dem Warum) lautet ja: Und wo läufst du den Marathon? Das wundert mich, weil ich den Ort eigentlich gar nicht so entscheidend finde. Die Distanz überhaupt zu überbrücken, ist meiner Meinung nach das Reizvolle an der ganzen Sache. Ich gebe aber zu, dass das mit den 100 Tagen kein Zufall war und ich den Start dieses Blogs bewusst um genau diesen Zeitraum vor den angepeilten Lauf gelegt habe. Kurzum: Mein erster Marathon wird der Röntgenlauf in Remscheid sein. Am Sonntag, den 25. Oktober. Stolze 42,195 Kilometer durch das Bergische Land. Vorangig ausschlaggebend für die Wahl war die Nähe zu Hagen und der passende Termin.

Ein Marathon mit Höhenprofil

Bergisches Land, das ist leider mehr als eine linguistische Ableitung – tatsächlich ist das Bergische Land genau so bergig, wie der Name verspricht. Das hat natürlich enorme Konsequenzen für den Marathon. Die Bergauf-Strecken sind eine wesentlich größere Belastung für den Körper als das Laufen im ebenen Gelände. Muskeln und Gelenke werden bergan vielfach so stark beansprucht, wie es auf gerader Strecke der Fall ist. Das ist defintiv ein Faktor, den ich für mein Training mit einbeziehen muss. Das Höhenprofil von der Webseite des Röntgenlaufs habe ich hier mal zur Veranschaulichung mit im Gepäck:

Unterschiedliche Distanzen

höhenprofil

In der Grafik ist es erkennbar: Die Strecke geht eigentlich noch weiter. Der Röntgenlauf ist nämlich ein Ultramarathon mit einer Distanz von 61 Kilometern. Das Gute ist aber, dass man auch einfach Marathon-Distanz laufen kann und es keinen stört. Man kann sich auch für den Ultra anmelden und nach 42 Kilometern aufhören, wenn man es nicht weiter schafft. Oder andersherum: Man meldet sich für den Marathon und läuft einfach im Ziel weiter, sofern einen der Eifer für weitere 20 Kilometer gepackt hat. Alles in allem also eine tolle Sache vom Veranstalter. Neben den todesmutigen Langläufern gehen aber auch Halbmarathon-Läufer an den Start.

800 Höhenmeter Anstieg als zusätzliche Herausforderung

Im Höhenprofil ist erkennbar, dass über die Marathondistanz mit Sicherheit 700 bis 800 537 Höhenmeter überwunden werden müssen. Spiridon-Redakteur Jörg Valentin nannte den Röntgenlauf in einem Telefoninterview eine »sehr selektive Strecke«. Das verdeutlicht auch einem ignoranten Läufer wie mir: Das Ganze ist absolut nicht zu unterschätzen. Immerhin macht der Ultra-Läufer über die Gesamtdistanz stolze 1100 849 Höhenmeter gut. Der Röntgenlauf ist also ebenso landschaftlich schön wie sportlich ambitioniert. Die Reaktion einer Bekannten auf meine Ankündigung hin lautete: »Oh, da hast du dir aber eine krasse Strecke ausgesucht.« Der Marathon in Remscheid wird kein leichtes Spiel. Es geht Berge rauf, Berge runter, und der Puls wird sich ähnlich verhalten. Aber seien wir mal ehrlich: Nur so macht es doch wirklich Spaß. Ein typischer Asphalt-Marathon durch die Stadt ist vielleicht einfacher zu laufen, aber bei weitem nicht so schön.

Training durch Geländeläufe

Wichtig für das Training sind meiner Ansicht nach Berg- und Geländeläufe. Topografische Erhebungen sind in München aber leider Mangelware, lediglich der Olympiapark bietet Anstiege, die sich optimistisch als Hügel bezeichnen lassen. Gestern gab es dort schließlich ungefähre 14 Kilometer bei einer Stunde und 9 Minuten Laufzeit. Und es wird auch angesichts des urban-melancholischen Abendrots nicht der letzte Lauf dort gewesen sein.