Serious running: 792 Höhenmeter über 33,8 Kilometer
Man kann das ruhig mal machen: Nach 8 Kilometern spontan die Route ändern, sich daraufhin 6 Kilometer eine kurvige Straße auf einen Berg hinaufkämpfen, um dort, da man sich nun am weitesten entfernt vom Startpunkt befindet, mit Erschrecken festzustellen, dass auf dem Verkehrsschild »Hagen – 13 Kilometer« steht, wohlwissend, dass es von dieser Stadt noch einige weitere bis nach Hause sind. Aber das sind eigentlich immer die spannendsten Momente beim Laufen: Man hat sich eine Strecke überlegt, schnürt die Schuhe, rennt los und erreicht irgendwann wie vorgesehen eine bestimmte Kreuzung oder tritt aus dem Wald heraus auf eine Landstraße. Und dann sagt man sich: Ich laufe jetzt einfach mal links statt rechts. Ich habe keine genaue Ahnung, wo ich dann hinkomme und wie lang die Strecke nach Hause jetzt sein wird. Aber ich mache es.
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Zwangsläufig fühlt man sich dann ein wenig so, als stecke man mitten in einem handfesten Abenteuer, das unerwartete Strapazen mit sich bringt, das noch nicht genau abgesteckt und vermessen wurde und gerade deshalb so reizvoll erscheint. Was am Ende dabei herauskam: Ein Lauf nach Breckerfeld und zurück über 33,8 Kilometer mit 792 Höhenmetern Anstieg in ziemlich genau drei Stunden.
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Der Lauf war mehr oder weniger das Resultat eines konzentrierten Trainings über mehrere Wochen. Ich bin nicht nur immer schneller geworden, ich habe mich beim Laufen selbst und danach auch immer besser gefühlt. Ich habe auch nach Halbmarathondistanz kaum mehr Ermüdungserscheinungen gespürt. Ich bin Geschwindigkeiten über Distanzen gerannt, die mir vor einem halben Jahr relativ unmöglich erschienen. Ich bin gerade in der Form meines Lebens. So fit war ich noch nie zuvor. Große Worte, aber ist so. Die folgende Grafik zeigt eigentlich ziemlich gut, wie sich mein Trainingsniveau gesteigert hat. Was ich in naher Zukunft daraus mache, dazu bald mehr.
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Swissalpine K42 (5)
Samstag:
Distanz: 15,1 km
Zeit: 1:20:40 h
Tempo: 5:21 min/km, 11,2 km/h
Gelände: Waldboden und Asphalt, viele, teils fordernde Steigungen
Charakter: milde Temperaturen, Herbstwald
Musik: Noah and the Whale – The First Days Of Spring (10/10), Clickclickdecker – Nichts für Ungut (6/10)

Sonntag:
Distanz: 8,3 km
Zeit: 42:18 min
Tempo: 5:06 min/km, 11,8 km/h
Gelände: Waldboden, teils matschig
Charakter: Herbstwald, Sonnenschein, angenehme, klare Luft
Musik: Drake – So Far Gone (8/10)
Ein Klassiker am Samstagabend
Ich bin ja immer wieder gerne in der Heimat. Ich laufe zehn Minuten in eine bestimmte Richtung und habe einsamen Wald um mich herum. Wunderbar. Wobei es mit der Einsamkeit natürlich so eine Sache ist. Möchte man Trenchcoat-Einzelgängern mit Hund und Familien bei ihrem obligatorischen Sonntagsnachmittagsspaziergang entgehen, muss man eben abends laufen, wenn es dunkel ist. So wie ich am Samstag. Auf einer Klassikerroute.

Bei diffusem Mondschein und einem zum Glück lichten Wald bin ich über den Märchenwald, entlang des Höhenweges, der einmal um die Wesselbach führt, weiter zum Hohenlimburger Schloss, und daraufhin durch den Lennepark nach Hause. Das waren insgesamt 9 Kilometer in 54 Minuten. Meine Zeiten werden also wieder besser. Was noch viel toller ist: Ich habe meine Wade dieses Mal überhaupt nicht gespürt, weder während des Laufs noch danach. Das ist umso erstaunlicher, da der Weg wirklich schwierig war. Die unsäglichen Forstfahrzeuge haben tiefe Furchen in den Weg gerissen, die zumeist mit äußerst glattem Resteis angefüllt waren. Das Eis lag natürlich nur auf dem Weg und sonst nirgendwo. Insgesamt war das ein schöner Lauf, der mich für die Zukunft wieder optimistisch gestimmt hat.
Vom Berghain an den Berghang
Auch wenn sich die Rave-Nation mittlweile in der hinterletzten Dorfdisco mit Speckbau-DJ nach diesem Mann verzehrt, komme ich nicht umhin, Paul Kalkbrenner als Musikempfehlung für das Laufen anzuführen. Der Berlin-Electro hält sich während des Laufs so dezent im Hintergrund, dass die Gedanken genug Raum haben und keine Ablenkung in der Musik selbst finden, gleichzeitig treibt diese durch den atmosphärischen Aufbau der Lieder doch in ausreichendem Maße an. Kann man sich also nicht nur zum nächtlichen Autofahren oder hacke im Club geben.

Der Hohenlimburg-Hengsteysee-Halbmarathon
Sonntag. Das bedeutet für mich neuerdings: Schuhe anziehen und auf einen langen Lauf einstellen. So auch heute. Ich bin das erste Mal ziemlich exakt Halbmarathondistanz (21 Kilometer) mit Pulsuhr gelaufen. Google Earth hat glücklicherweise ein Vermessungstool integriert, womit man eine Route nachzeichnen und ausmessen kann. Schrittzähler sind da eher nerviger Technik-Schnickschnack. Die Strecke jedenfalls folgte der Lenne von Hohenlimburg aus bis zum Bikertreff am Hengsteysee – und wieder zurück. Am See konnte ich bei der örtlichen Pommesbude ein erbärmliches Glas Leitungswasser erschnorren, in dem noch etwas Kaffeeprütt schwamm. Besser als nichts.
Meine Endzeit lag am Ende bei einer Stunde und 51 Minuten, womit ich eigentlich recht zufrieden bin. Immerhin brühte mich die Sonne ordentlich durch. Der Durchschnittspuls lag bei 160, ich habe mich nur am Körpergefühl orientiert. Eigentlich wäre eine geringfrequentierte Pulsspanne angemessen gewesen (Stichwort Trainingszonen). Und ich kann schwer abschätzen, ob man einen solches Lauftempo auf die doppelte Entfernung halten kann, wenn man denn ordentlich trainiert. Der Puls ging gegen Ende bei gleichbleibendem Tempo auf jeden Fall etwas nach oben.
Zwei Szenarien
1) Auf Marathondistanz lässt sich der Puls bei gleichbleibender Geschwindigkeit nicht auf 160 halten, weil die Energiegewinnung aus Fetten mühseliger für den Körper ist und die Herzfrequenz damit steigt. Das ist im Prinzip das klassische Szenario des Läufers, der zu schnell losrennt, und am Ende deutlich einbricht.
2) Ich kann die Distanz der Läufe steigern, ohne einen Tempoverlust hinnehmen zu müssen – und das bei gesunder Herzfrequenz. Klingt eher nicht realistisch. Kann ich einen Marathon bei einem 160er-Puls durchlaufen, wenn ich nur alles gebe? Oder bietet es sich an, die langen Läufe langsamer zu laufen, um den Körper besser auf die 42 Kilometer vorzubereiten? Ganz ehrlich: Ich muss das austesten, bin aber für Tipps und Prognosen dankbar. Den langen Lauf, der jetzt mit Halbmarathondistanz begann, werde ich erst einmal pro Woche um 2 Kilometer steigern.

Der Holthausen-Delstern-Hagen-Halbmarathon
Heute gab es also den ersten großen Lauf – ein Rundweg von Holthausen über Hundsdiek, Delstern, Hagen, Emst, Haßley und wieder zurück. Die Route führte ganz klassisch das Holthauser Bachtal hinauf bis nach Hundsdiek, wo es dann über die Autobahn 45 geht. Hier stören immerwährende Motorengeräusche die grüne Idylle eines sonst so verschlafenen Kaffs wie Hundsdiek, wo das ganze Jahr über wirklich nichts passiert. In meiner Kindheit sind wir dort ab und zu bei Wanderungen in ein Gasthaus eingekehrt, das heute geschlossen hat. Die Waffeln mit Sahne und Kirschen waren, soweit ich mich erinnere, große Bäckerkunst. Bei meinem Lauf allerdings lagen die Gehöfte ruhig und gottverlassen da, kein Mensch war zu sehen.
Der Plan sah an dieser Stelle eigentlich vor, auf einem schon einmal begangenen Waldweg recht zügig ins Volmetal herunterzuhüpfen. Aber denkste. Den Einsteig zu diesem Weg habe ich natürlich nicht gefunden. Da ging es dann über querliegende Bäume, unter und über Stacheldraht her, Wege entlang, die im Nichts endeten oder einfach keine waren, bis ich mit zerkratzten Beinen irgendwann doch noch die Straße erreichte. Nachdem mich diese Waldläufer-Route eine gute halbe Stunde und viel Kraft gekostet hatte, ging es auf Asphalt durch Delstern bis zur Stadthalle. Der Übergang vom Wald ins Industrie- und Gewerbegebiet bei Delstern ist sowas wie der ultimative Bruch zwischen Sauerland und Ruhrpott. Wo der Weg eben noch über auenlandartige Waldwege führte, begrüßen den Läufer nun backsteinerne Kaminschlote. Das Reststück der Route verlief schließlich das Wasserlose Tal hinauf und über Emst und Haßley zurück.
Trainingsdaten
Insgesamt liegt die Wegstrecke bei etwas über 20 Kilometern – also Halbmarathondistanz. Aufgrund meiner Irrwege im Wald dürften es aber gut ein, zwei Kilometer mehr gewesen sein. Eine Zeit zu nehmen, hätte damit auch keinen Sinn gemacht. Ich war aber gute zwei Stunden unterwegs. Erstaunlicherweise fühlte ich mich nach dem Lauf so, als wären noch easy 10 Kilometer mehr drin. Aber dieses Gefühl ist natürlich trügerisch. Die Ferse zumindest hat sich nicht zurückgemeldet. Obendrei haben die Knie das dauerende Abfedern des Laufs im weglosen Waldstück besser verkraftet, als ich dachte. Lediglich kurz vor Haßley fühlte sich der Muskel oberhalb der Kniescheibe wie ein Fremdkörper an. Alles in allem bin ich nach diesem Lauf sehr zuversichtlich, dass es ähnlich solide weitergeht.

Die Laune eines Abends – Ein Marathon in 100 Tagen
Taten entstehen durch Gedanken. Und wie mich am Dienstag so die tief stehende Sonne beim Joggen nicht unangenehm blendet, fasse ich für mich den unumstößlichen Entschluss, in 100 Tagen einen Marathon zu laufen. Quasi aus der Laune eines Abends heraus. Ich gebe zu, das stimmt so nicht ganz. Der Plan, einmal 42,195 Kilometer am Stück zu laufen, ruht eigentlich schon seit einiger Zeit in mir. Aber wie ich da eben so über die Wiesen an Münsters Peripherie laufe, wird mir bewusst, dass jetzt einfach genau der richtige Zeitpunkt ist, um diese Sache auch wirklich zu tun.
Zum einen sind die Schmerzen in meiner rechten Ferse – Gott weiß, wieso – seit einer Woche einfach nicht mehr da. Allenfalls latent. Das ist umso verwunderlicher, da mein nichtsnutziger Fuß mich nunmehr seit einem halben Jahr mit unerklärlichem Druckschmerz quält, der nach einem harmlosen Lauf im Februar einfach so aufgetreten war und sich partout geweigert hatte, wieder zu verschwinden. Kein Fersensporn, keine Prellung, kein gar nichts. Die antiquierten Einlagen des örtlichen Orthopäden, der im Minutentakt Patienten aller sozialen Schichten in einem mir bis heute undurchsichtigen Schleusensystem quasi fließbandbehandelt, brachten nur vorübergehend Linderung. Wer in Münster irgendwelche Scherereien mit seinen Füßen hat, geht besser zu Dahlmann, einem Sportorthopäden, der wohl wirklich etwas von seinem Handwerk versteht. Der Schmerz ist jedenfalls weg. Chapeau. Hoffentlich bleibt das auch so.
Zweitens: Meine Kondition ist derzeit einfach unzerstörbar, was definitiv mit dem letzten Kurzurlaub in den Bergen zusammenhängt. Das Training in der Höhe hat offensichtlich dafür gesorgt, dass ich zurück im Flachland die kleinen Hügel und sauerländischen Bergchen hinaufrenne wie ein blutgedopter Gamsbock. Ob das an der gesteigerten Fitness oder an der vermehrten Anzahl roter Blutkörperchen liegt, weiß ich nicht. Ist auch egal. Mein jetziger Zustand ist quasi der perfekte Ausgangspunkt für ein konzentriertes Training.
Das Ziel ist also klar, der Weg dahin allerdings kaum. Über mögliche Strategien, temporäre Erlebnisse und die Unzulänglichkeiten meines Trainings möchte ich deshalb an dieser Stelle schreiben. Primär dient das Weblog aber natürlich einfach dem Ziel, Aufmerksamkeit von außen zu binden, die mich dazu veranlasst, die ganze Sache auch wirklich durchzuziehen. Denn ich müsste mich ja schämen, wenn ich nach dem großen Getöse hier kleinlaut die Segel streiche.

Die heutige Laufroute – seit gut drei Jahren regelmäßig begangen – führt entlang des Holthauser Bachtals und schließlich über einen Höhenweg zurück zum Märchenwald. So ist man als Läufer stets von Wald umgeben, die Bodenverhältnisse sind fordernd weil abwechslungsreich, und Anstiege wechseln sich mit fallenden Passagen ab. Die Distanz habe ich mal irgendwann mit einem Lineal und einer örtlichen Wanderkarte nachgemessen, grob sind es etwa 8 bis 9 Kilometer, eventuell ein klein wenig mehr. Eignet sich also bestens als ambitionierter Trainingslauf unter der Woche.
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