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Gegen nasse Beine: The-North-Face-Regenhose im Test

Posted in Ausrüstung by Philipp on 20/09/2011

Früher saßen wir abends auf der Berghütte, draußen waren es drei Grad über null, der Regen prasselte auf das Fensterbrett, und wir haben uns gesagt: Okay, ziehen wir morgen halt eine kurze Hose an. Denn lange Hosenbeine nässen schnell durch und kleben an den Beinen, außerdem ist der Regen gar nicht so kalt auf der Haut, wenn man sich bewegt. Das ist natürlich eine Taktik, die eher aus der Not geboren wird. Tatsächlich hatten wir nämlich alle keine wasserdichte Regenhose. Sich bei Temperaturen, die ein wenig über dem Gefrierpunkt liegen, die Beine vollregnen zu lassen, halte ich immer noch für einen probaten Weg, dem Wetter zu trotzen. Allerdings hat es schon Sinn gemacht, sich irgendwann eine Regenhose zuzulegen. Mit der Men’s Resolve Pant von North Face ging es also unlängst in die Ötztaler Alpen zum Bergsteigen.

Wir hatten zwar an sieben von acht Tagen vortrefflichstes Wetter, einmal hat es dafür aber den ganzen Tag durchgeregnet. Die Hose hat komplett dicht gehalten, und das ist für eine Regenhose, die kein Wasser durchlassen soll, schon mal ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Gleichzeitig kleben die Beine nicht vor lauter Schweiß am Innenfutter fest. Weiterer Vorteil: Die Hose wird am Bund so dezent geschnürt, dass der Bauchgurt des Rucksacks nicht zu drücken anfängt. Kleiner Abzug: Für das Gehen mit Steigeisen ist die Hose um die Waden herum vielleicht etwas zu weit, es besteht zumindest die Gefahr, sich schicke Löcher in den Stoff zu treten. Ansonsten hält das Modell aber das, was es verspricht, nämlich wasserdicht zu sein.

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Laufen im Hochgebirge: Ausrüstung gegen Schnee und Kälte

Posted in Ausrüstung, Swissalpine K42 2011 by Philipp on 27/07/2011

»Der Samstag verläuft wechselnd bewölkt mit sonnigen Phasen am Vormittag, am Nachmittag ist überall mit zum Teil heftigen, gewittrigen Schauern zu rechnen«, heißt es beim Deutschen Alpenverein zum Wetter in den Westalpen an diesem Wochenende. Die Gefriergrenze liegt heute, drei Tage vor dem Swissalpine Marathon, bei 3000 Metern. Im Startort Bergün (1367 Meter) sollen es am Samstag laut Wetter.com um die Mittagszeit 13 bis 15 Grad sein. Geht man von der Regel aus, dass die Temperatur pro 100 Höhenmeter um ein Grad abfällt, dürfte sie auf 2500 Metern bei ungefähr 3 Grad liegen. Es ist unschwer zu erkennen: Das Wetter könnte für einen Bergmarathon um einiges besser sein. Kälte und starker Regen sind eine ziemlich ungünstige Kombination, weil die Feuchtigkeit sofort kalt wird und wiederum gleich den Körper auskühlt. Man muss nicht den Teufel an die Wand malen, aber beim Zugspitzlauf sind 2008 zwei Läufer an Unterkühlung gestorben. Dass es in den Alpen auch im Hochsommer schneien kann, haben wir schon mehrmals selbst erlebt…


Friesenberghaus (Zillertaler Alpen), 2498 Meter, Juli 2007


Stüdlhütte (Glocknergruppe), 2801 Meter, Juli 2009

Das Wetter im Gebirge kann auch im Sommer extrem unwirtlich werden. Beim Bergsteigen ist das meist kein Problem: Man ist dick angezogen. In schweren Stiefeln und einem Fleecepullover den Berg hochzujoggen ist aber schwierig, weil es im Tal viel wärmer ist, und man bei starker Sonne Opfer eines Hitzestaus und ernsthafter Kreislaufprobleme werden kann. Andererseits, bei einem Lauf im Gebirge an Unterkühlung zu sterben, ist wohl ebenso tragisch wie vermeidbar. Ich habe mir gründlich überlegt, welche Ausrüstung ich für einen Bergmarathon brauche, um auf alle Witterungsbedingungen vorbereitet zu sein.

1. langarmiges Funktionsshirt: untere Kleidungsschicht, liegt eng am Körper und hält warm, transportiert Schweiß und Feuchtigkeit nach außen
2. langarmiges Überziehshirt: zusätzlicher Wärmeschutz, Funktionsstoff transportiert ebenfalls Schweiß nach außen, Reißverschluss lässt sich bei Sonne bis zum Brustbein öffnen
3. Gürtel: bietet komfortablen Stauraum für Energygels, Riegel, Müllsack und Wollmütze
4. Laufsocken: optimale Passform verhindert Blasen
5. Trail Running-Schuhe: bieten sicheren Halt auch bei unwegsamem Gelände
6. wasserdichte Hardshell-Jacke: optionaler Regenschutz, kommt nur zum Einsatz bei dauerhaft starkem Regen schon ab Start
7. Sportboxershorts plus kurze Sporthose: wiegt fast nichts, bietet viel Bewegungsfreiheit
8. Müllsack: bietet Regenschutz bei überschaubaren Schauern
9. Wollmütze: Kälteschutz für den Kopf

Glücklicherweise habe ich entlang der Strecke irgendwann Zugriff auf die rote Funktionsjacke, sollte ich sie nicht ohnehin von Beginn an tragen. Das ist aber eigentlich nicht geplant. Ansonsten muss der Müllsack reichen. Im Winter bin ich bisher immer mit einer Daunenweste über dem Shirt gelaufen, das hat auch bei Temperaturen gepasst, die deutlich unter dem Gefrierpunkt lagen. Man kann einwenden, dass die Beine in einer kurzen Hose ziemlich kalt werden können, wenn es hoch oben am Berg regnet, aber das werden sie auch, wenn die lange Hose einmal durchnässt ist. Eine lange, wasserdichte Regenhose ist jedenfalls keine Option. Außerdem hat die Erfahrung gezeigt: Selbst Bergsteigen, bei dem man sich deutlich langsamer bewegt, ist bei kaltem Regen in einer kurzen Hose möglich, ohne dass irgendetwas Schlimmes passiert.

Am wichtigsten ist ohnehin, einerseits den Körper warm zu halten, weil dort alle wichtigen Organe liegen, und andererseits den Kopf, weil der Mensch sehr viel Körperwärme über ihn verliert. Zwei Funktionsshirts dürften bei Bewegung durchaus ausreichen, im Winter gehe ich bei 5 Grad manchmal nur mit einem einzelnen Shirt laufen. Praktisch ist auf jeden Fall der Gürtel – es hat ein wenig Expeditionscharakter, mit so einem Teil unterwegs zu sein. Vorhin habe ich mal alle Komponenten angelegt und gleich enorme Lust bekommen, auf der Stelle loszulaufen. Drei Tage muss ich mich aber jetzt noch gedulden.

Trail-Running-Schuh: Der Asics Trabuco 14 im Test

Posted in Ausrüstung by Philipp on 11/07/2011

Ich habe wieder etwas gelernt: Das Laufen abseits asphaltierter Straßen nennt man Trail Running. Damit kann die wenig anspruchsvolle Schotterpiste im Stadtpark gemeint sein, aber auch der hochalpine Bergpfad. Oder gleich komplett wegloses Gelände. Zweifellos ist der Begriff irgendeinem Marketing-Gehirn entsprungen, ganz dem Ziel verpflichtet, ein neues Marktsegment möglichst gewinnbringend zu erschließen. »Trail Running ist ein echter Trend«, heißt es auf der Webseite der diesjährigen Outdoor-Messe – na bitte! Letztlich erfuhr ich also, dass ich aus Sicht des Handels keinen besonders wetterfesten Schuh für meinen Bergmarathon in der Schweiz brauche, sondern einen Trail Running-Schuh. Diese Information war wichtig, denn nach irgendwas musste ich schließlich suchen. Meine Wahl fiel auf den Trabuco 14 von Asics.

Was zeichnet einen Trail Running-Schuh aus? Er hat eine besonders griffige Sohle und ist stabiler als ein gewöhnlicher Joggingschuh. In der Gore Tex-Variante lässt er außerdem kein Wasser durch, sorgt dafür aber für unsägliche Schweißfüße. Ich entschied mich mangels Auswahl für die nicht-wasserdichte Version, denke aber, dass dies für den Swissalpine kein entscheidender Nachteil sein wird. Beim Berlin-Marathon hat es fast die ganze Zeit geregnet und gestört hat das die Füße nicht.

Um den Schuh zu testen, bin ich rund 17 Kilometer durch den Wald gelaufen, teils über schmale und mit Steinen durchsetzte, steile Pfade. Mein erster Eindruck: Der Schuh hat sich ausgezeichnet angefühlt. Er sitzt nicht zu locker und bietet soliden Halt, gleichzeitig enstehen keinerlei Druckstellen oder gar Blasen. Der Schuh ist nicht zu schwer am Fuß, gelegentlich kam es mir vor, als würde ich barfuß rennen. Long story short, der Schuh sitzt optimal. Die Trail-Sohle bietet meines Empfindens nach tatsächlich mehr Halt auf unwegsamen Strecken als die vergleichsweise strukturlose Unterseite meiner anderen Laufschuhe. Die Schnürbänder lassen sich bequem in einem Schlupfloch der Lasche verstauen. Insgesamt eine gute Wahl.

Schlafsack im Praxistest

Posted in Ausrüstung by Philipp on 01/05/2010

Die Eindrücke aus Afrika sind verarbeitet und niedergeschrieben – Zeit, sich einem technischen Aspekt der Tour zu widmen. Die Machame Route am Kilimandscharo ist eine reine Zeltroute, es gibt keine kleinen Hütten oder Lodges, wie auf den anderen Routen am Berg. Da kann es in rund 4500 Metern nachts ziemlich kalt werden. Obwohl ich für meine Touren mittlerweile eigentlich ganz gut ausgerüstet bin, fehlte mir für den Kibo noch ein geeigneter Schlafsack, dem auch Außentemperaturen von minus 10 Grad nicht gefährlich werden können (beziehungsweise mir selbst als demjenigen, der darin schläft). Grundsätzlich stellt sich beim Kauf eines ernstzunehmenden Tourenschlafsacks die Frage, ob man zu einem Kunstfaser- oder Daunenschlafsack greift. Da Daunenschlafsäcke ungefähr doppelt so viel Geld kosten, was angesichts einer halbwegs vernünftigen Kosten-Nutzen-Rechnung meiner Tour schon ins Gewicht fällt, habe ich zu Kunstfaser gegriffen. Die sind im Gegensatz zu Gänsedaunen nicht so anfällig für Feuchtigkeit. Am Ende fiel die Wahl auf den Moonwalker IV von Mountain Equipment.

Die Temperaturangaben zu den Schlafsäcken sind immer etwas unpräzise. Es gibt die Komfort-, Limit- und Extremtemperatur (beim Moonwalker IV -7°C, -14°C, -34°C). Nach welchem Wert soll man sich richten? Die Komforttemperatur gibt an, bei welchem Wert man muckelig-warm durch die Nacht kommt, eben unter allen Umständen komfortabel durchschlafen kann. Wo genau der Unterschied zwischen Limit- und Extremtemperatur liegt, ist mir aber nicht ganz klar. In jedem Fall stellt der Wert die untere Grenze des Temperaturbereichs dar, bei dem die Wärmeleistung des Schlafsacks gerade noch ausreicht, um den Biwakierenden lebend durch die Nacht zu bringen. Gesundheitliche Schäden sind aber durchaus möglich. Außerdem spielt die körperliche Verfassung des Menschen eine große Rolle für seine Kälteresistenz. Es wird oft darauf hingewiesen, dass körperliche Belastung und nicht ausreichende Energiezufuhr das Kälteempfinden deutlich verschlechtern können. Ist es jetzt aber problematisch, wenn die Temperatur mal auf -12 Grad sinkt, der Komfortbereich aber nur bei –7 Grad liegt? Meiner Erfahrung nach nicht. Denn im Barafu Camp auf 4650 Metern waren es nachts gut und gerne minus –10 Grad, der Mountain Equipment-Schlafsack hat aber ausreichend warm gehalten. Allerdings gilt das nur dann, wenn man Shirt und Pullover und eventuell eine lange Unterhose anbehält. Ich gehe davon aus, dass der Schlafsack auch bei einer noch kälteren Außentemperatur ausreichend wärmt – man muss sich dann eben noch wärmer anziehen.

In Sachen Packkomfort kann der Moonwalker IV auf jeden Fall auch Punkte gut machen. Trotz seiner guten Wärmeleistung ließ er sich schön kompakt einrollen und verstauen, er ist außerdem mit 1900 Gramm noch recht leicht. Die Verarbeitung kann sich zumindest auf der ersten Tour sehen lassen. Auch die Passform empfand ich als ziemlich angenehm. Der Schlafsack lag eng genug an, um keine Kältebrücken entstehen zu lassen, und vor allem die Füße als die am weitesten vom Körper exponierten Partien blieben immer warm. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, über alle Maßen in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein. Alles in allem war der Schlafsack ein höchst erholsamer Ruheplatz, in den ich mich abends gerne zurückgezogen habe.

Glosse: Der Joghurtdrink zum Anziehen

Posted in Ausrüstung by Philipp on 25/04/2010

Scharfsinnigen Beobachtern modischer Trends dürfte ein Phänomen der letzten Monate nicht entgangen sein: das inflationäre Auftauchen des Tatzenlogos auf Parkern, Regenjacken und Fleecepullovern. Das Unternehmen, dem diese Marke gehört, bildet die Speerspitze eines neuen »Urban Outdoors« und steht stellvertretend für den Einzug eines Kleidungsstücks in deutsche Fußgängerzonen, Ämter, Busse und Einkaufszentren, das üblicherweise abseits der Großstädte verortet ist: die Outdoor-Jacke. Angesichts dieser Beobachtung möchte ich meinem Unmut einmal Luft machen. Denn ich bin wütend.

Versucht man sich von unternehmerischer Seite dem Pleonasmus Outdoor-Jacke zu nähern, lässt sich der Hype um dieses Kleidungsstück nur als höchst gelungener Marketing-Clou bezeichnen. Mit dem »Urban Outdoor«-Segment wird der Zielgruppe – Mittzwanziger bis Ende-Dreißiger, gebildet, gute Einkommensverhältnisse, unsportlich – plötzlich suggeriert, es gebe dort draußen auf den Irrwegen des Großstadtdschungels (eine vorhersehbare Analogie), im Angesicht der Alltagswidrigkeiten unserer hektischen Geschäftigkeit noch so etwas wie eine Auseinandersetzung von Mensch und Natur zu erleben. Verlässt also die gutsituierte Hausfrau den mit Airbags abgesicherten Schutzraum ihres SUV-Geländewagens, der in etwa die gleichen Illusionen wie die Outdoor-Jacke selbst bedient, möchte sie in ihrer Hightech-Membran-Hülle am liebsten laut gen Himmel rufen: So ein Platzregen kann mir gar nichts anhaben! Schaut her, ich bin gewappnet gegen die Unbill des Wetters!

Im übertragenen Sinne heißt das natürlich nur: Unvorhersehbare Ereignisse können so eine Just-do-it-Persönlichkeit wie mich nicht aus der Bahn werfen. Der heraufziehende Regenschauer mutiert so zum letzten zivilisatorischen Feind des modernen Stadtmenschen, der sturmgepeitschte Weg vom Parkhaus in den Supermarkt zum letztmöglichen menschlichen Aufbegehren auf der Suche nach individueller Freiheit. Aber der Träger begibt sich eben gerne in diese Situation der simulierten Ausgesetztheit. Schließlich schützt ihn seine Outdoor-Jacke. Dass das Prädikat »outdoor« im wörtlichen Sinne nicht mehr bedeutet, als gelegentlich das Haus zu verlassen, trägt zur traurigen Ironie der Sache erschwerend bei.

Leider ist der Versuch, mit dem Tragen einer Outdoor-Jacke so etwas wie Belastbarkeit und Draufgängertum zu verkörpern, ebenso zum Scheitern verurteilt, wie das Bestreben, durch den Konsum von mit Lactobacillus-casei-Kulturen versetztem Bio-Joghurt den Eindruck zu erwecken, ein kerngesunder Mensch zu sein. Die Outdoor-Jacke ist der probiotische Joghurtdrink zum Anziehen. Folgerichtig bildet sie die perfekte Projektionsfläche für Leute, die als Kinder nie im Matsch spielen durften und denen im Kindergarten immer nur eine seelenlose Reiswaffel in die Butterbrot-Box gelegt wurde. So sehen dann auch die Gesichter aus, die heute über den Softshell-Ummantelungen thronen: milde Augen, Fliehkinn und – ich möchte mit dieser Formulierung niemandem zu nahe treten – Gesichtszüge, die so aussehen, als hätte die entsprechende Person in der Pubertät ein bisschen zu wenig Testosteron abbekommen. Von den kruden Kleidungskombinationen der weiblichen Trägerinnen sei an dieser Stelle ganz zu schweigen.

Im Großstadtrevier flanieren dann noch diejenigen Vertreter der Zunft, die im Preissegment noch einmal eine Schublade höher zugreifen, in dem Irrglauben, eine Jacke mit noch besserer Membran, mit noch höherer Wassersäule, würde sie vom ordinären, unwissenden Outdoor-Prekariat abgrenzen. Gerne verweisen sie darauf, dass Jacken mit dem Tatzenlogo aus fachlicher Sicht gar nicht mal so gut sind, unabhängig von der Frage, ob diese Unterschiede im Detail für einen vom Regen überraschten Stadtbummel ansatzweise von Bedeutung sind. Die Auswahl ist ungefähr so entscheidend wie die Frage, ob ich von einem Bus oder einem Laster überfahren werde.

Soviel Selbstüberschätzung ruft diejenigen auf den Plan, die im Zur-Schau-Stellen von solch trügerischer Wetterfestigkeit, von solch urban-domestizierter Toughheit, einen handfesten Angriff auf ihr eigenes Hoheitsgebiet wittern. Es sind diejenigen, die tatsächlich ohne Mühen deutlich über zehn Kilometer am Stück laufen können, die sich nach ein paar Nächten im Zelt nicht vor Rückenschmerzen winden, die das Scheitern oder Gelingen einer Tour nicht davon abhängig machen, ob nun auch die lange Unterhose von einem Markenhersteller kommt oder nicht. Es sind diejenigen, die sich Blasen aufstechen, ohne zu jammern. Für die es nun mal keine Grenzerfahrung ist, nach einer dreistündigen Radtour im Wellness-Hotel einzukehren, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen.

Ja, auch ich fühle mich auf die Füße getreten. All die städtischen, im Alltag verweichlichten Bürostuhlathleten nehmen eine Haltung in Anspruch, die sie lächerlich aussehen lässt. Sie sind nicht besser als der Yuppie-Student mit Barbourjacke, Segelschühchen und zurückgegelter Juristenfrisur, der in der Erstsemester-Vorlesung einen Habitus an den Tag legt, als hätte er soeben erfolgreich ein Unternehmen vor der Insolvenz bewahrt. Es ist das gleiche Prinzip, nur am ganz anderen Ende der Skala.

Zurecht kann man an dieser Stelle fragen, ob Outdoor-Jacken nicht doch einfach nur ganz praktisch gegen einen Regenschauer schützen, während Mantel und Lederjacke schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. Das mag richtig sein. Allerorts wird die Outdoor-Jacke aber als modisches Statement getragen, das eben genau jene Eigenschaften des Trägers symbolisieren möchte, die schon auf das erste Hinsehen in sich zusammen fallen. Und wer glaubt, sich durch das Tragen einer solchen Jacke an die Spitze eines Modetrends gestellt zu haben, dem sei wirklich noch einmal ans Herz gelegt, dass Outdoor-Jacken ganz, ganz weit weg sind von einem irgendwie gearteten Stilempfinden. Uns echten Draußenmenschen genügt immerhin die Gewissheit, dass es mit all der Belastbarkeit recht rasch vorbei wäre, ginge es einmal wirklich in die Wildnis hinaus, außerhalb der zugebauten Komfortzonen. In der Zwischenzeit lasse ich mich guten Gewissens von einem Regenschauer in der Stadt durchnässen. Mein Immunsystem verträgt das.

Dieser Beitrag ist ein Cross-Posting und bereits auf Lachsauge.de erschienen.

Der Hüttenschlafsack: Nachtruhe in der Mikrofaserhülle

Posted in Ausrüstung by Philipp on 15/02/2010

Heute mal wieder ein kleiner Exkurs zum Thema Ausrüstung (ich weiß, originäre Läuferausrüstung ist hier bisher zu kurz gekommen, aber außer den Schuhen lege ich auch auf nichts richtig wert): Ich habe mir endlich einen Hüttenschlafsack zugelegt. Letztes Jahr, als ich zwei Nächte auf der Höllentalangerhütte am Fuß der Zugspitze übernachtet habe, musste ich noch ohne auskommen. Den Sack kann man zwar auf den Hütten kaufen, aber dafür war ich zu geizig. Die Kehrseite: Man muss sich nachts in Wolldecken einrollen, von denen man nicht weiß, wann sie das letzte Mal mit einem chemischen Reinigungsmittel in Berührung gekommen sind. Einen richtigen Schlafsack mitzunehmen – und sei er auch äußerst dünn – nimmt andererseits unnötig Platz im Rucksack weg, sofern man nicht draußen biwakieren möchte.

Man braucht also einen Hüttenschlafsack, wobei die Bezeichnung Schlafsack exakt wörtlich zu nehmen ist. Hüttenschlafsäcke sind nämlich null gefüttert und erinnern mehr an einen Getreidesack als an Outdoor-Ausrüstung – zumindest die Säcke des DAV, die aus Baumwolle gefertigt sind. Besser sind eindeutig moderne Säcke aus Mikrofaser. Sie lassen sich nicht nur einfach reinigen, sie nehmen auch weniger Gerüche an und lassen sich kleiner verpacken. Mikrofaser-Schlafsäcke fühlen sich allerdings so an, als würde man sich mit dem Stoff eines Regenschirms zudecken. Der Microfiber Travel Liner von Salewa, den ich mir besorgt habe, nimmt dafür aber selbst dann kaum Platz weg, wenn man an der Zugspitze mit einem gewöhnlichen Eastpak-Straßenrucksack unterwegs ist (sollte man nicht machen, Rückenschmerzen und so). Auch gut: Man muss das Modell nicht ordentlich falten oder einrollen, sondern kann alles in den Verschlusssack stopfen. Passt dann auch.

Noch bin ich nicht sicher, ob ich den Sack als Innenschlafsack mit zum Kilimandscharo nehme, weil ich dort sowieso in einem gefütterten Kunstfaserschlafsack schlafen werde. Aber für Übernachtungen auf Berghütten ist das Teil gut geeignet und für diesen Einsatzzweck ist es ja eigentlich auch gemacht. Kostet obendrein nicht viel und gibt am Ende doch das Gefühl einer gewissen Grundhygiene. Von den Hüttenwirten wird es sowieso nicht toleriert, ohne Hüttenschlafsack auf der Matte zu stehen.

Allrounder: Mammut-Fleecehandschuhe

Posted in Ausrüstung by Philipp on 11/01/2010

Als ich vergangenen September am Olperer (»Die ausgesetzten Abschnitte des Riepengrats dürften bei Vereisung äußerst heikel sein« – ja, stimmt!) in den Zillertaler Alpen unterwegs war, kam mir ein Mann entgegen, der etwa 50 Höhenmeter unterhalb des Gipfels umkehren musste, weil er an den Seilfixierungen seine Finger nicht mehr gespürt hatte. Angesichts der vereisten Felsen war das Absturzrisiko sehr hoch und der Mann entschied sich deshalb für den Abstieg. Wegen mangelnder Ausrüstung, einem läppischen Paar Handschuhe, umkehren zu müssen, ist natürlich ziemlich ärgerlich. Ich selbst war auch nur mit handelsüblichen Lederhandschuhen unterwegs, die eher zu einem Mantel als zu meiner roten Hardshell-Jacke gepasst hätten. Das ging noch gerade gut so. Um zukünftige Scherereien in solchen Situationen zu vermeiden, habe ich mir jetzt vernünftige Handschuhe von Mammut zugelegt. Mammut-Ausrüstung gilt in Bergsteigerkreisen als so eine Art Must-Have. Ich entschied mich für die Vital Fleece Glove: akzeptabler Preis, kann man machen.

Vielseitig einsetzbar

Im Prinzip sind die Teile ganz standardmäßige Fleecehandschuhe, man kann sie fast überall einsetzen. Sie eignen sich auf jeden Fall besser für leichte Klettereien im mittelschweren Gelände als Leder- oder Stoffhandschuhe, mit denen wir auch schon am Berg unterwegs waren (ich meine mich sogar zu erinnern, dass sich einer von uns mal Socken als Handschuhe zurecht geschnitten hat). Die Mammut-Handschuhe haben an der Innenseite abriebfeste Einsätze, die sich schon mal deutlich besser für einen mutigen Griff an den Fels eignen. Da ich nun nicht jeden Monat in den Bergen unterwegs sein kann, ist es ganz praktisch, dass die Handschuhe auch gut warm halten, wenn es mal wieder schneit und regnet und man sich lausigerweise doch auf sein Fahrrad setzen muss: gute Allrounder also. Wärmetechnisch machen die Mammut-Gloves auf jeden Fall was her. Weil sie aus Fleece sind, werden sie aber recht schnell nass. Sie eignen sich eher dafür, Kälte abzuhalten als Regen.