(3) Reisen
Senegal und Gambia: »Eine seltsame Stimmung hat der Morgen, das hängt mit der Schwüle zusammen, mit der Feuchtigkeit in der Luft, die nicht unangenehm ist, das alles zieht den Reporter hinaus in diesen Tag, auf die Straßen und in die schmutzigen Gassen, in den Matsch und den Regen, auf die Märkte und in die ramponierten Kleinbusse, das treibt ihn über das Land, wo Menschen, Orte und Situationen vorbeiziehen unter dem schweren Himmel, sehr präsent und…« (mehr)
Kariba, Simbabwe: »Das Gepäck wurde rasch aus den netten Hütten auf einen Jeep verladen, und bevor der aus der Trinklaune heraus geborene Plan noch richtig abgewogen war, holperte das Fahrzeug über die bucklige Erdpiste durch die Nacht. Wir tranken Dosenbier, das bei besonders tiefen Schlaglöchern über die Hände schäumte. Im Prinzip war es völlig ausgeschlossen, im Halbdunkeln eine Straße zu erkennen, und doch standen wir irgendwann vor…« (mehr)
Harare, Simbabwe: »Auf dem mannshohen Zaun, der unsere Pension, die Palm Rock Villa in der Selous Ave, von der übrigen Stadt abschirmte, war eine Rolle Nato-Stacheldraht angebracht, und das musste nun auch irgendwelche Gründe haben. Wir schlenderten nur bei Tageslicht von der Herberge aus in die Innenstadt. Einer der Taxifahrer zeigte uns eines Abends – wir hielten an einer Tankstelle und kauften Wasser – die Narben auf seinem Kopf. Einmal nämlich…« (mehr)
Bulawayo, Simbabwe: »In Bulawayo fällt dem Reisenden, mit einem klapprigen Minibus von Norden kommend, zunächst der relativ zur übrigen Versorgung des Landes auffällige Überfluss an Lebensmitteln auf. Noch im eine halbe Stunde vor der Stadt am staubigen Straßenrand liegenden Tigerhurst Bottle Store & Regulars beschränkt sich das Warenangebot, so mussten wir ernüchtert feststellen, auf ein paar warme Flaschen Coca Cola, fad schmeckende Kekse und…« (mehr)
Victoria Falls, Simbabwe: »Es sei der wundervollste Anblick gewesen, der sich ihm je in Afrika geboten habe, hat David Livingstone einst über die Victoriafälle geschrieben. Da wir nicht wissen, ob er jemals hoch oben von den Ruinen von Great Zimbabwe die Sonne über dem weiten Land des späteren Süd-Rhodesiens untergehen sah, muss diese Aussage erst einmal für sich stehen. In jedem Fall erwartet den Reisenden am Cataract Point…« (mehr)
Livingstone, Sambia: »Möchte man sich der Stimmung eines Tages nähern, hilft ein Blick auf das Frühstück. In unserem Fall bestand das aus einem Omelette, Müsli, Bananen, Joghurt und Kaffee, was zusammen genommen für eine gewisse Vergnüglichkeit sorgte. Das hatte noch andere Gründe. Mutmaßlich lässt es sich nirgendwo zwischen Botsuana und Tansania so gut aushalten wie in Livingstone, außer natürlich im Muyoka Village südlich…« (mehr)
Nkhata Bay, Malawi: »Unsere Blicke gingen über das Wasser. Der Himmel war milchig und trüb, er hatte keine Farbe. Kleine Wellen schlugen gegen die Steine unter dem Balkon. Ansonsten war es sehr still. Wir saßen auf zwei wuchtigen Holzstühlen, wir hatten unsere Füße auf den niedrigen Tisch gelegt. Graue Wolken hingen über dem See, am fernen Horizont entlud sich gewiss Regen. Die Luft war feucht. Im Dunst des Spätnachmittags regte sich nichts…« (mehr)
Kyela, Tansania: »Es brannten nur zwei oder drei Kerzen, deren Wachs ungehindert auf den massiven, von Kerben übersäten Schreibtisch lief, vermutlich weil einmal mehr der Strom ausgefallen war oder aber sich in dem Raum auch sonst keine Lampe befand. Der örtliche Chef der Busorganisation Mohamed Coachline saß im flackernden Lichtschein auf seinem Stuhl, hörte sich unsere Geschichte an und wog seinen Kopf dabei prüfend von einer Seite zur anderen…« (mehr)
Kilimandscharo (4): »Die Nacht ist sehr kurz im Barafu Camp. Das lag in meinem Fall nicht nur daran, dass Tito den Aufbruch zur Gipfelbesteigung auf 0.30 Uhr festgesetzt hatte, sondern auch an der nun doch spürbar dünnen Höhenluft, die den Begriff Ruhepuls in gewisser Weise ad absurdum führt. Ich wendete mich jedenfalls hin und her und mochte nicht so recht einschlafen, während der brausende Wind von außen am Zelt rüttelte…« (mehr)
Kilimandscharo (3): »Die Sonne vor dem Barafu Camp war brütend heiß, der Wind jedoch ziemlich kalt. Die Bergsteiger auf dem Pfad vor mir bewegten sich wie in Zeitlupe. Langsam, langsam, hatten die Afrikaner gesagt, und hier oben ging es nicht mehr anders. In einigen Metern Entfernung kniete ein Mann am Wegesrand und kotzte einen milchigen Schwall in den braunen Staub. Heute Nacht geht es auf den Gipfel, dachte ich…« (mehr)
Kilimandscharo (2): »Ich setzte mich, bevor ich sehr früh schlafen ging, in gesundem Abstand zum Toilettenhäuschen, das es in dieser Höhe tatsächlich gab, auf einen Felsen, bis mir kalt wurde. Eine zeitlang beobachtete ich nur die wechselnden Lichtverhältnisse, eine Tätigkeit, in der so etwas wie Müßiggang liegt, und die ich als spannend und entspannend zugleich empfand. Die Wolken sahen sehr plastisch aus, so als hätte jemand sie aus Knete geformt…« (mehr)
Kilimandscharo (1): »Der Mann mit der Maschinenpistole lächelte mürrisch die Menschen an, die durch die Passkontrolle kamen. Er ruhte in seiner beigen Uniform etwas abseits auf einem Stuhl und sah für westliche Augen ein bisschen so aus wie ein Milizenführer. Über den Gepäckbändern kreisten im fahlen Neonlicht derweil unzählige Moskitos und anderes Getier nervös durcheinander. Es war halb elf abends und…« (mehr)