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Simbabwe (2) – Bulawayo

Posted in Südostafrika by Philipp on 09/10/2011

Bulawayo ist Simbabwes einzig akzeptable Großstadt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass es in dem südostafrikanischen Staat eigentlich nur zwei Metropolen gibt und Harare einem Moloch gleicht. In Bulawayo fällt dem Reisenden, mit einem klapprigen Minibus von Norden kommend, zunächst der relativ zur übrigen Versorgung des Landes auffällige Überfluss an Lebensmitteln auf. Noch im eine halbe Stunde vor der Stadt am staubigen Straßenrand liegenden Tigerhurst Bottle Store & Regulars beschränkte sich das Warenangebot, so mussten wir ernüchtert feststellen, auf ein paar warme Flaschen Coca Cola, fad schmeckende Kekse und abgepacktes Toastbrot. Die zweifelhafte Verknüpfung von Konsum und Glück indes wird bereits durch den Slogan »Open Happiness« auf dem Coca-Cola-Werbeschild deutlich, das unweit der Stadtgrenze genau gegenüber des »Welcome to Bulawayo«-Schildes auf der anderen Straßenseite aufgestellt wurde.

Reisenden mit nachrangigen Ansprüchen an ein »charmantes« Ambiente sei das Berkeley Place in der Josaiah Tongogara Road zur Übernachtung empfohlen. Es ist günstig, und wenn der Gast nach einem Steckdosenadapter fragt, kann es sein, dass die rüstige Besitzerin ihm kurzerhand gleich selbst die Haare föhnt. Nicht weit entfernt von der Pension, beim Centenary Park, soll sich allerdings dem hysterischen Verfasser des Lonely Planet zufolge eine der gefährlichsten Straßen Afrikas befinden (»Don’t even think about walking down the street at night!«). Wir haben das nicht überprüft. Die für einen Polizeistaat typischen, an jeder Straßenecke blöd herumstehenden Uniformierten, obgleich sonst für eine kompromisslose Repression der Zivilbevölkerung sorgend, vermitteln dem Touristen aber ein nicht zu unterschätzendes Gefühl der Sicherheit.

Diejenigen, die vom korrupten Autokratenregime Robert Mugabes direkt oder indirekt profitieren, fahren gerne vor der Haefeli’s Swiss Bakery mit ihren SUV-Geländewagen vor und fläzen sich in ihren teuren Anzügen aus Südafrika auf die bequemen Stühle des Cafés, um The Zimbabwean oder den Zim Observer zu lesen oder über ihre Geschäfte zu reden. Die mit weißen Häubchen bekleideten Kellner des Lokals servieren ausgezeichnetes Gebäck. Wir ließen dort den Abend hereinbrechen, vor uns parkte ein weißer BMW X3 am Straßenrand.

Wer von den mühseligen Überlandfahrten in schrottreifen Rostlauben hungrig geworden ist, kann sich in Bulawayo aber auch in dem bereits an anderer Stelle erwähnten Dreigespann aus Chicken Inn, Pizza Inn und Creamy Inn mit fettreicher, für den westlichen Magen problemlos zu bewältigender Fast-Food-Kost sättigen. Empfehlenswerter ist dagegen der Innenhof der National Art Gallery an der Leopold Takawira Ave. Dort beginnt der Tag, wenn man will, wahlweise mit Schokoladen- oder Zitronenkuchen, Cappuccino und einer wohlschmeckenden Zitronenlimonade. In den schattigen Räumen im ersten Stock waren zuletzt die Bilder von Kindern ausgestellt, die mit Wachsmalstiften die Krankheit HIV darzustellen versuchten, unter der in Simbabwe jeder siebte Erwachsene leidet.

Wenn nicht gerade eine Parteikundgebung der MDC von den Ordnungskräften niedergeknüppelt wird, merkt der Reisende in Bulawayo kaum, dass er sich in einem diktatorisch regierten Land befindet. In den sonnigen und breiten Straßen lässt es sich vielmehr bequem auch länger als einen Tag aushalten. Es gibt Internetcafés, Restaurants und verschiedenste Geschäfte, einen großen Markt, Kunstgalerien und Bars.

Die Fake-Couture der hiesigen Designerläden lässt zwar stark an Geschmack zu wünschen übrig, wir sahen dafür aber einen jungen Hipster, dessen Outfit – High-Top-Sneaker, Slimfit-Hose, Weste und Basecap in schwarz, dazu oranges Hemd und oranges Plastikgestell – , den Fashion-Faschisten und Modebloggern im schwer erträglich gewordenen Pseudoindividualistenmekka Berlin-Kreuzberg die Zornesröte der Eifersucht ins Gesicht getrieben hätte. Mutmaßlich fand sich besagter Stilvisionär im hippen Baku Club ein, aus dem auch am späten Abend – die Sonne war schon lange untergegangen – noch die aktuelle US-Popmusik eines T-Pain oder Lil Wayne in das ansonsten menschenleere Bulawayo Centre hinausschallte. Wir schauten uns im Kino für drei Dollar einen Hollywoodfilm an und fuhren zurück ins Hotel.

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