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Hohe Tauern (2): Großglockner

Posted in Hohe Tauern by Philipp on 25/07/2009

Obwohl uns der Großvenediger noch etwas in den Knochen hing, sind mein Bruder und ich schließlich doch vom schönen Ort Kals aus aufgebrochen, um uns dem Großglockner zu nähern. Wir waren vorher nicht sicher, ob eine Besteigung des Berges machbar sein würde und entschlossen uns dazu, einen Bergführer anzuheuern. Allein schon um die werte Frau Mutter in der Heimat zu beruhigen. Der erste Tag führte uns aus Kals heraus durch nordische Wälder, über Lucknerhaus und Lucknerhütte, bis zur Stüdlhütte auf 2802 Metern – benannt nach einem Pionier des Alpinismus, Johann Stüdl. Das Wetter konnte sich nicht dazu durchringen, etwas Sonnenschein durch die Wolken zu lassen, im Gegenteil lag die meiste Zeit Nebel über und unter uns. Unterhalb der Stüdlhütte waren ausgedehnte Schneefelder zu queren. Der Aufstieg fiel trotz den 20 Kilo Gepäck – durch den Verzehr des Proviants nur geringfügig verringert – etwas leichter als noch am Venediger.

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Aufstieg zur Stüdlhütte.

Auf der Hütte fuhren die Gastleute ein leckeres Essen auf. Wir hatten ausgemacht, uns am nächsten Tag mit dem Bergführer zu treffen. Weil es da aber fast durchgehend regnete, blieben wir auf der Hütte und verschoben den Gipfeltag. Das war auch ganz gut so, mein Bruder fühlte sich nämlich abgeschlagen und in der Magengegend nicht ganz wohl, was er auf die drei Hefeweizen vom Vorabend zurückführte. Abends kam schließlich unser Bergführer, der Martin. Meine Befürchtung, es könnte sich womöglich um einen wortkargen Sonderling handeln, zerschlugen sich recht bald. Der Tag auf der Hütte ging dann recht unspektakulär zu Ende. Für die Höhenanpassung war er aber sicher gut. Meinem Bruder ging es am nächsten Tag auch wieder besser.

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Stüdlhütte.

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Morgens am Großglockner.

Der Morgen überraschte uns mit einer ganzen Menge Neuschnee, Gipfeleuphorie und einem üppigen Frühstück um 5 Uhr. Unnötiger Ballast aus dem Rucksack landete in einem Spint, die Vorfreude auf diesen Tag wuchs minütlich. Als ich das erste Mal aus der Hütte trat, merkte ich vor allem, dass es wirklich schweinekalt war. Die Morgensonne, die zahlreiche schneebedeckte Gipfel in der Ferne mit roten Strahlen touchierte, bot aber eine ganz gute Entschädigung.

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Blick von der Stüdlhütte nach Westen.

Aufbruch. Der Weg führte über viel Neuschnee, das Ködnitzkees und einen anstrengenden Grat zur Adlersruhe. Dort befindet sich die höchstgelegene Hütte Österreichs, die Erzherzog-Johann-Hütte auf 3454 Metern, die wir gegen 8.30 Uhr erreichten . Die Aussicht auf die umliegenden Gebirgsketten war schlichtweg atemberaubend. Die bizarre Wolkenbildung ließ den Finger immer wieder auf den Kameraauslöser wandern. Auf der Hütte tranken wir Tee, aßen Energieriegel und legten die Steigeisen an, sie waren auf dem relativ flachen Gletscher wegen des trittfesten Schnees nicht nötig gewesen.

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Ankogelgruppe von der Erzherzog-Johann-Hütte.

Nach einer kurzen Pause begann der finale Gipfelaufstieg über das Glocknerleitl, einen bis zu 40 Grad geneigten Eishang, der den Bergsteiger beinahe bis zum Gipfelgrat heraufführt. Es tat gut, mit wenig Gepäck unterwegs zu sein – jeder Schritt kostet in dieser Höhe schon merklich mehr Kraft. Martin führte uns sicher und das sonnige Wetter war die gerechte Entschädigung für unseren nebligen Irrweg am Großvenediger. Oberhalb des Eisfelds folgt auf der Normalroute auf den Großglockner dann ein sehr ausgesetzter, überwechteter Grat, der zu beiden Seiten mehrere hundert Meter abfällt. Man erreicht den Kleinglockner und steigt in die Glocknerscharte ab. Von dort geht es über Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrat zum Gipfel.

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Kleinglockner, Glocknerscharte und Großglockner.

Um 10.30 Uhr standen wir schließlich oben, auf dem Großglockner, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs. Wir aßen, tranken und machten viele Bilder, dort im Schnee, oberhalb einer Grenze, welche die Wolken an diesem Tag nicht erreichten. Von hier oben schauten wir wie auf Watte, die jemand scheinbar zufällig in den tief ausgeschnittenen Alpentälern drapiert hatte. Wir waren glücklich und zufrieden, so wie es sein sollte. Martin, der immer vorgestiegen war, um uns zu sichern, beglückwünschte uns, und das verbrannte Gesicht vom Großvenediger tat in diesem Moment nicht ganz so weh.

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Großglockner, Gipfelkreuz.

Aufstieg zur Stüdlhütte.

Ein wenig stolz und überhaupt guter Dinge stiegen wir ab zur Stüdlhütte. Und wie uns der Tag da so herrlich erschien, eben so wie sich ein guter Tag nur anfühlen kann, beschlossen wir mit dem übrigen Gepäck komplett vom Berg abzusteigen. Wir stiegen also an diesem Tag 1000 Höhenmeter auf und 2500 Höhenmeter nach Kals ab. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass unsere Knie und Waden das am Ende nicht gemerkt haben. Alles in allem hat sich das Ganze aber natürlich mehr als gelohnt, mehr noch – es war verdammt gut und richtig, es zu tun.

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Großglockner, Aufstiegsroute.

3 Antworten

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  1. Hannes said, on 26/07/2009 at 8:50 nachmittags

    Was für eine heftige aber traumhafte Tour. Das erinnert mich ein wenig an meine Studienfahrt in die Alpen, wo wir auch eine dreitägige Hüttentour gemacht haben, allerdings höchstens auf 2.000 Meter hoch. Da war das hier doch ein ganz anderes Kaliber – würde mich aber auch reizen.

    Respekt für die Tour!

  2. Sturmkind58 said, on 27/07/2009 at 8:31 vormittags

    Solange du konditionell gut drauf und obendrein schwindelfrei bist, steht der Tour mit einem Bergführer über den Normalweg eigentlich nichts im Wege!

  3. [...] war das Jahr auf jeden Fall ein Erfolg. Ich bin einen Marathon gelaufen (und keinen leichten), habe den höchsten Berg Österreichs bestiegen, als auch den höchsten Berg Deutschlands, und letzteren zusammen mit einer Erkletterung des [...]


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