(2) Bergsteigen
Wildspitze: »Frühstück auf der Terrasse der Breslauer Hütte, es ist komplett finster. Etwa 200 Menschen schlafen noch oder stehen gerade auf oder packen jetzt ihren Rucksack. Sie wollen heute alle auf die Wildspitze. Es ist Wochenende, es ist gutes Wetter. Wir sind die ersten, die aufbrechen. Um uns herum ist es immer noch so dunkel, dass die Steine kaum zu erkennen sind. Langsam zieht die Dämmerung herauf. Wir steigen durch das Tal bis zum…« (mehr)
Fluchtkogel: »Wir wollen von der Vernagthütte zur Breslauer Hütte, aber vorher steigen wir auf den Fluchtkogel. Der Tag hat bereits Farbe, als wir losgehen, über den Kamm einer gewaltigen Schuttmoräne, die schon lange von keinem Gletscher mehr gesäumt wird. Der Pfad zieht sich um eine felsige Verwerfung, die das Massiv vom Hauptkamm herabschickt. Hinter der Bergkette, auf deren Rücken wir aufsteigen, hängen graue Wolken. Vielleicht gib es noch…« (mehr)
Weißkugel: »Es ist noch finster draußen, die Luft mild. Wir stehen auf der Terrasse des Hochjoch-Hospiz, bald wird der Tag heraufziehen. Talabwärts legen sich Lichtstreifen über den schwarzblauen Himmel hinter den Bergketten. Mit dem ersten Dämmerlicht nehmen wir den steinigen Pfad herunter zum Hintereisbach. Auf der anderen Seite erste schweißtreibende Serpentinen hinauf, um das Hochjochfernertal zu erreichen. Dort begleitet der Weg den Fluss…« (mehr)
Similaun: »Über den Wolken, die kurz nach der Dämmerung in den schwarzen Alpentälern hängen, werden die schneebedeckten Gipfel der Ortlergruppe von den ersten Sonnenstrahlen in oranges Licht getaucht. Weit darüber wacht noch der Mond, an tiefes Dunkelblau geheftet. Im Nordosten glüht der Himmel hinter den Silhouetten der Bergkämme hervor, als schmelze dort jemand Erz. Kein allzu trübsinniger Anblick für einen Morgen, an dem man…« (mehr)
Fineilspitze: »Dass sich das Wetter im Gebirge rasch ändert, beweist der Morgen. Gestern noch hing Nebel im Tal und auf den Gipfeln, heute wirft die Sonne ihre Strahlen über die Hänge und sättigt das Grün der Almwiesen und das Rotbraun der Felsen. Der Weg zur Similaunhütte ist eine schonende Angelegenheit, entspannt folgt der Pfad dem Fluss das hinterste Niedertal hinauf. Das Gras zieht sich hier zurück, Schutt und Geröll dominieren die Landschaft…« (mehr)
Kreuzspitze: »Martin-Busch-Hütte, 8 Uhr morgens. Das ganze Tal liegt im Nebel, es regnet in Strömen. Der Blick aus dem Fenster fällt auf undurchdringliches, nuancenloses Grau. Wenn man draußen auf dem Kiesweg steht, hört man nur das Prasseln der Tropfen auf den Steinen, es ist das einzige Geräusch an diesem Morgen. Wir tragen Kleidung, die keinen Regen durchlässt, nur die Hände kommen mit dem Wasser in Berührung. Der Pfad zieht sich…« (mehr)
Hintere Schwärze: »Erster Tag im Gebirge, Aufbruch um 6 Uhr von der Martin-Busch-Hütte. Das ist nicht zu früh für den erst gestern aus dem Flachland aufgestiegenen Großstädter, aber auch nicht zu spät für eine Hochtour auf die Hintere Schwärze. Die jenseits des Bergrückens langsam aufsteigende Sonne hat das Pechschwarz der Nacht verdrängt, die Füße können die Konturen des Weges lesen. Wir müssen herunter zum Fluss, über eine Brücke, dahinter…« (mehr)
Schwarzenstein: »Der Schwarzenstein ist in den Zillertaler Alpen derjenige Berg, an dem für vergleichsweise geringe Schwierigkeiten ein maximal hochalpines Ambiente zu bekommen ist. Der Berg ist also ein lohnendes Ziel, wenn man sich zufällig gerade auf dem Berliner Höhenweg befindet. Eher gemächlich zieht sich der Pfad von der Berliner Hütte hinauf zur Mörchnerscharte und biegt irgendwann ab in Richtung Gletscher. Der wenig steile Aufstieg…« (mehr)
Schönbichler Horn: »Als wir 2003 vom Schlegeis-Stausee auf das Schönbichler Horn stiegen, mein Bruder und ich, war der Himmel wolkenlos und der Tag sommerlich. Auf den Höhen lag kein Schnee, der Fels oberhalb der 3000 Meter war warm und trocken, er ließ sich gut greifen. Als wir 2007 auf dem Berliner Höhenweg über das Schönbichler Horn stiegen, zwei Freunde und ich, hatte es bis auf 2400 Meter herunter geschneit. Während wir früh am Morgen…« (mehr)
Kilimandscharo: »Die Nacht ist sehr kurz im Barafu Camp. Das lag in meinem Fall nicht nur daran, dass Tito den Aufbruch zur Gipfelbesteigung auf 0.30 Uhr festgesetzt hatte, sondern auch an der nun doch spürbar dünnen Höhenluft, die den Begriff Ruhepuls in gewisser Weise ad absurdum führt. Ich wendete mich jedenfalls hin und her und mochte nicht so recht einschlafen, während der brausende Wind von außen am Zelt rüttelte…« (mehr)
Olperer: »Dort oben gab es nichts, nur Felsen und Eis, und das undurchdringliche Grau, das jede Sicht nimmt. Auf einem solchen Berggipfel beschleicht einen immer ein seltsames Gefühl, wenn man alleine unterwegs ist. Es ist ein Gefühl, als würden unweigerlich schlimme Dinge passieren, wenn man sich zu lange an diesem Ort aufhält – als würde eine Sanduhr laufen. Es ist naturgemäß ein Ort, der nur ein kleines Fenster lässt, ein Ort, an dem man nur zu Besuch ist…« (mehr)
Zugspitze und Jubiläumsgrat: »Unglücklicherweise hatte ich die Sonnenaufgangszeiten für Mitte August kläglichst unterschätzt, um 5 Uhr war es draußen noch stockfinster. Ich hatte keine Stirnlampe. Da die Mondsichel aber ein wenig Licht spendete und der Weg zum Talschluss recht eben war, beschloss ich, nach einem kleinen Frühstück trotzdem aufzubrechen. In mir machte sich eine sehr tolkiensche Stimmung breit…« (mehr)
Großglockner: »Weil es da aber fast durchgehend regnete, blieben wir auf der Hütte und verschoben den Gipfeltag. Das war auch ganz gut so, mein Bruder fühlte sich nämlich abgeschlagen und in der Magengegend nicht ganz wohl, was er auf die drei Hefeweizen vom Vorabend zurückführte. Abends kam schließlich unser Bergführer, der Martin. Meine Befürchtung, es könne sich womöglich um einen wortkargen Sonderling handeln, zerschlugen sich recht bald…« (mehr)
Großvenediger: »Durchaus bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Auge irgendwann nicht mehr zwischen Nebel und Schnee unterscheiden kann, und man gelegentlich zu Halluzinationen neigt. So schwörte mein Bruder darauf, dass ein von mir weggeworfenes Stück Trockenobst stetig den Hang herunterrutschen würde, obwohl es sich bei längerem Betrachten kein Stück von der Stelle bewegte. Abgesehen von diesen psychischen Hindernissen…« (mehr)